Ernst Dummer von Stubai KSHB: Warum er bei KI auf die Bremse steigt, statt jedem Hype hinterherzulaufen

Er hat eine klare Meinung zu KI in der Industrie. Manchen wird das nicht gefallen. Ernst Dummer, seit 20 Jahren Geschäftsführer bei Stubai KSHB, sagt es trotzdem offen. Wer KI-Vorschläge nur deshalb übernimmt, weil Nachdenken anstrengender ist, verliert die Kontrolle über sein Unternehmen. Ein Gespräch, das gegen den Strich bürstet.
Gast: Ernst Dummer, Geschäftsführer, Stubai KSHB (Kompetenzzentrum Schmieden, Härten, Bearbeiten)
Das lernst du in dieser Folge
- Warum ein Industriebetrieb mit über 10.000 Tonnen Stahlverarbeitung pro Jahr KI bewusst nicht als Erstes einsetzt
- Wie eine 15-Firmen-Genossenschaft aus dem Stubaital seit 1897 Entscheidungen in 15 Minuten trifft
- Was Schmiedeteile für KTM-Motorräder und Asphaltfräsen gemeinsam haben
- Warum KI-Vorschläge ungeprüft zu übernehmen zum größten Risiko für Unternehmen wird
- Wo KI in der Schmiedeindustrie tatsächlich Materialeinsatz optimieren könnte
- Warum "Erster sein" bei neuen Technologien meistens teuer und selten erfolgreich ist
Über den Gast
Ernst Dummer ist seit 27 Jahren in der Stubai-Gruppe tätig und leitet seit 20 Jahren als Geschäftsführer die Stubai KSHB, das Kompetenzzentrum für Schmieden, Härten und Bearbeiten. Ursprünglich kommt er von der technischen Seite. Er war zuvor Geschäftsführer in einem Familienunternehmen im Bereich Zerspanungstechnik und wechselte dann zu einem Schmiedebetrieb, der kurz vor seinem ersten Arbeitstag abbrannte. Aus dem Wiederaufbau entstand die Übernahme durch Stubai. Heute verantwortet er bei Stubai KSHB unter anderem Vertrieb, Produktion und die technische Ausrichtung des Unternehmens.
Timestamps
00:00 Begrüßung und Vorstellung von Ernst Dummer
01:24 Werdegang, vom Familienunternehmen zum Schmiedebrand
03:22 Rolle als Geschäftsführer zwischen Vertrieb und Technik
04:33 Das Stubaital als unterschätzte Industrieregion
05:52 Produkte, Frässysteme für Asphaltfräsen und Bauteile für KTM
08:56 Die Genossenschaft aus 15 Unternehmen und schnelle Entscheidungen
12:35 Einblick in die Produktion, Schmieden, Härten, Bearbeiten
17:02 KI im Unternehmen, Status quo und Skepsis
29:11 Sprachmodelle im eigenen Arbeitsalltag
34:18 Konkretes KI-Potenzial in der Schmiedeindustrie
45:03 Abschlussfragen, Regulierung, Chance oder Risiko, Hype oder Mehrwert
Key Takeaways
- KI ist keine Revolution, sondern eine normale technische Weiterentwicklung. Wer das verinnerlicht, trifft gelassenere Entscheidungen als jene, die jedem Hype hinterherlaufen.
- Das größte Risiko ist nicht die Technologie selbst, sondern die Bequemlichkeit der Menschen, die sie nutzen. Ein unreflektiert übernommener KI-Vorschlag kann teurer werden als der Verzicht auf das Tool.
- Als Zulieferer muss man nicht Erster sein. Wer wartet, bis Tools ausgereift sind, spart sich teure Lehrgeld-Phasen, ohne den Anschluss zu verlieren.
- Konkrete Anwendungsfälle wie die KI-gestützte Optimierung von Schmiede-Vorformen zeigen, wo echter Mehrwert entsteht, im Gegensatz zu Tools, die nur eingeführt werden, weil sie modern wirken.
- Digitalisierung ohne Verwaltungsabbau bringt keinen Fortschritt. Wer neue Technologie einführt, ohne alte Prozesse zu hinterfragen, vergrößert nur die Komplexität.
Erwähnte Tools & Ressourcen
Im Gespräch wurden keine konkreten KI-Tools oder Softwarelösungen namentlich genannt. Ernst Dummer spricht bewusst allgemein über Sprachmodelle und KI-Systeme, ohne einzelne Anbieter zu erwähnen.
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