Patrick Schleich (Cleanroom Technology Austria): Wie ein Reinraumbauer KI nutzt, um unkodifiziertes Wissen zu retten

Ein Reinraumbauer mit 50 Mitarbeitern in Wien und Innsbruck zeigt, wie man mit KI ein jahrzehntealtes Mittelstandsproblem löst. Wissen, das nur in den Köpfen der erfahrenen Leute steckt.
Patrick Schleich leitet seit gut einem Jahr operativ die Cleanroom Technology Austria. Im Gespräch erzählt er von seinem Weg über McKinsey und Interimmanagement bis zur klassischen Unternehmensnachfolge. Und davon, wie KI ihm den Einstieg in eine für ihn völlig neue Branche erst möglich gemacht hat.
Das lernst du in dieser Folge
- Wie schafft man den Einstieg in eine hochtechnische Branche ohne Vorerfahrung?
- Warum ist eine klassische Unternehmensnachfolge oft das bessere Risk Reward Profil als eine Gründung?
- Wie baut man mit KI eine interne Academy auf, um unkodifiziertes Erfahrungswissen zu sichern?
- Warum betreibt ein Mittelständler seine KI Infrastruktur lieber selbst statt in der Cloud?
- Wie verändert KI die Angebotserstellung und Customer Experience im technischen Anlagenbau?
- Ist KI im B2B Vertrieb noch Nebensache oder längst Wettbewerbsfaktor?
Über den Gast
Patrick Schleich hat an der WU Wien parallel BWL/Wirtschaftsrecht und Philosophie studiert und mit einem Bachelor abgeschlossen. Danach ging er direkt zu McKinsey. Nach gut dreieinhalb Jahren in der Unternehmensberatung folgten Stationen im Mittelmanagement eines Konzerns, eine eigene Gründung und mehrere Jahre Interimmanagement. Parallel dazu suchte er dreieinhalb Jahre lang aktiv nach einem Unternehmen zur Übernahme, zunächst selbst finanziert, später gemeinsam mit einem institutionellen Partner. Vor gut einem Jahr stieg er bei Cleanroom Technology Austria ein und übernahm das operative Geschäft. Der Reinraumbauer hat Wurzeln in den 1960er Jahren und rund 50 Mitarbeiter in Wien und Innsbruck.
Timestamps
00:00 -- Begrüßung und Einstieg
00:15 -- Wer ist Patrick Schleich, vom Studium zu McKinsey
04:25 -- Der Weg von McKinsey zum Interimmanagement
10:42 -- Unternehmensnachfolge statt Start-up, die Entscheidung
12:20 -- Wie eine Unternehmensübernahme konkret abläuft
17:32 -- Cleanroom Technology Austria, Geschichte und Geschäftsfelder
24:33 -- KI bei CTA, die drei zentralen Einsatzfelder
35:15 -- Cloud versus On-Premise, warum CTA eigene Server betreibt
41:30 -- Der größte ungehobene Use Case, automatisierte Angebotsplanung
43:53 -- Drei kurze Fragen, Regulierung, Chance und Hype
Key Takeaways
- Wissen kodifizieren schlägt Wissen horten. CTA hat Mitarbeiterwissen, das nie aufgeschrieben wurde, per Interviews, Transkription und Datenbank in eine interne Academy verwandelt. Das ist für jeden Mittelständler mit erfahrenen Fachkräften der pragmatischste Einstieg in KI.
- On-Premise ist keine Ideologie, sondern Risikomanagement. CTA zählt zur kritischen Infrastruktur und fällt unter NIS-2. Kundendaten wandern deshalb nicht einfach in eine Cloud-KI. Der Aufwand für eigene Server lohnt sich, wenn die Alternative ein Compliance-Risiko ist.
- Customer Experience wird im B2B Vertrieb massiv unterschätzt. B2C optimiert längst auf schnelle, greifbare Angebote. Viele Anlagenbauer arbeiten dagegen noch mit Papierstapeln und zwei Wochen Wartezeit. Wer hier mit KI-gestützten Kostenschätzungen und Simulationen schneller wird, gewinnt Aufträge.
- KI ersetzt hier kein Personal, sie schafft Kapazität für Wachstum. Schleich lehnt das Abbau-Narrativ ab. Bessere Conversion durch bessere Customer Experience bedeutet mehr Aufträge, nicht weniger Mitarbeiter.
- Der größte Hebel liegt noch vor CTA. Automatisiertes Planen kompletter Reinraumanlagen auf Knopfdruck ist das erklärte, aber noch nicht erreichte Ziel. Laut Schleich bringt genau das den größten Zeitgewinn.
Erwähnte Tools & Ressourcen
- Claude (Anthropic): CTA nutzt Claude als Cloud-Lösung, unter anderem für internes Coden und Wissensmanagement. Laut Schleich kostet das rund 80 Euro im Monat pro Account und ist "sehr viel mehr wert".
- ERP-System mit Chatbot-Unterstützung: Wenn Mitarbeiter im ERP-System nicht weiterkommen, hilft ein Chatbot.
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